Nach einem Krisenjahr beim Industriekonzern ThyssenKrupp haten am Freitag die Aktionäre das Wort. Am Freitag kamen sie in Bochum zur Hauptversammlung (HV) zusammen. Seit ihrem Treffen vor einem Jahr ist ThyssenKrupp in heftige Turbulenzen geraten. Vorstandschef Heinrich Hiesinger räumte seinen Posten und auch der langjährige Vorsitzende des Aufsichtsrats, Ulrich Lehner, ging nach Streitigkeiten im Kontrollgremium von Bord. Investoren hatten immer wieder Kritik am Kurs des Unternehmens geübt.

Um ThyssenKrupp wieder in die Erfolgsspur zu bringen, will der neue Vorstandschef Guido Kerkhoff den Konzern in zwei selbstständige Gesellschaften aufspalten. In die ThyssenKrupp Materials AG soll unter anderem der 50-Prozent-Anteil an der Stahlfusion mit dem indischen Partner Tata eingehen. Zum zweiten Unternehmen, der Thyssenkrupp Industrials AG, sollen das profitable Aufzugsgeschäft und die Zulieferungen für die Autoindustrie gehören. Die Hauptversammlung wird aber noch nicht über die Aufspaltung abstimmen. Das ist erst in einem Jahr vorgesehen.

Investoren hatten die mangelnde Profitabilität von ThyssenKrupp gerügt. „Wir reden da nichts schön“, sagte Kerkhoff dem Handelsblatt. Wenn der Konzern langfristig keinen Wertzuwachs erreiche, liefen irgendwann die Aktionäre weg. „Wir müssen einfach schneller besser werden“, fügte der Vorstandschef hinzu. Die Aktie von ThyssenKrupp hat innerhalb eines Jahres fast 40 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Auf der HV offenbarte Kerkhoff überraschend, dass der Werkstoff- und Industriekonzern auf Kurs sei, sein Gewinnziel im laufenden Geschäftsjahr 2018/19 zu erreichen. In den ersten drei Monaten hätten sich die Geschäfte wie erwartet entwickelt, sagte Kerkhoff vor den Aktionären in Bochum.

ThyssenKrupp hatte die Anleger noch im November darauf eingestimmt, dass die Zahlen des ersten Quartals unter denen des Vorjahreszeitraums liegen werden. Für das Gesamtjahr hat sich Thyssenkrupp vorgenommen, den bereinigten Betriebsgewinn (EBIT) im fortgeführten Geschäft – also ohne das vor der Abspaltung stehende Stahlgeschäft – auf mehr als eine Milliarde Euro zu steigern. Das treibt die ThyssenKrupp-Aktie am Freitag-Vormittag kräftig aufwärts. Die Überwindung der 50-Tage-Linie beflügelte wohl zusätzlich (siehe Chart unten).

Das wäre eine Steigerung um mindestens 300 Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September hatte Thyssenkrupp ohne das Stahlgeschäft 706 Millionen Euro bereinigtes EBIT verbucht. „Wir liegen voll im Rahmen unserer Guidance“, sagte Kerkhoff. In knapp zwei Wochen legt der Konzern detaillierte Zahlen für das erste Jahresviertel vor.

Die Aktionäre müssen ansonsten heute noch Personalentscheidungen treffen. Sie sollen die Berufung der früheren Bosch-Managerin Martina Merz in den Aufsichtsrat bestätigen. Merz soll auch neue Vorsitzende des Kontrollgremiums werden.