New York/ London/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) – Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent hat seit Monatsbeginn spürbar nachgegeben. Während der Ölpreis im Oktober durchschnittlich bei über 80 US-Dollar/Barrel notierte, fiel dieser zuletzt in mehreren Etappen zunächst auf 70 Dollar/Barrel und gestern schließlich auf unter 65 Dollar/Barrel zurück. Das ist aktuell der niedrigste Stand seit März 2017.

Für den Preisrutsch zeigten sich mehrere Faktoren verantwortlich: Signale einer erhöhten weltweiten Produktion und nachlassende Befürchtungen vor einem totalen Verlust der iranischen Ölexporte in Folge der Gewährung von zeitlich befristeten Ausnahmen von dem Embargo der US-Regierung. Zudem kam es global vermehrt zu Lageraufbauten und einer Verschiebung am kurzen Ende der Terminkurve von Backwardation in Contango, was auf schwächere Fundamentaldaten hindeutet.

Als Auslöser der gestrigen Abstürze der Rohöl-Notierungen ist US-Präsident Trump zu nennen. Trump twitterte am Montagabend, die OPEC solle die Produktion nicht drosseln. Öl ins Feuer goss laut den Analysten der Commerzbank zudem der gestern veröffentlichte OPEC-Monatsbericht, der die dringende Notwendigkeit einer Förderbeschränkung darlegte. Denn die OPEC habe den Bedarf an OPEC-Öl für 2019 nochmals deutlich zurückgenommen und sehe den Ölmarkt im nächsten Jahr bei unveränderter OPEC-Produktion um 1,3 bis 1,4 Mio. Barrel pro Tag überversorgt. „Dass die OPEC gestern zu den Trump-Kommentaren schwieg, sorgte für zusätzliche Verunsicherung. Offensichtlich wollen die Marktteilnehmer die Schmerzgrenze der OPEC austesten“.

Am Abend gab die US-Energiebehörde ihre neue Schätzung für die US-Schieferölproduktion bekannt. Diese soll im Dezember um 113.000 auf rekordhohe 7,94 Mio. Barrel pro Tag steigen. Für eine Preiserholung bedarf es laut Commerzbank Signale der OPEC, dass sie trotz der Trump-Kommentare eine Produktionskürzung erwägt.