Ab dem 4. November treten weitere US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft, die zielgerichtet auf die Öl-Branche des Landes sind wirken sollen. Die Sorgen um einen weiteren Aufwärtstrend bei den Ölpreisen werden vor diesem Hintergrund akut. Zuletzt wies der Ölpreis eine stetige Aufwärtstendenz aus – Marktbeobachter sahen sogar eine weitere Zuspitzung der Rally: Auf bis zu 100 US-Dollar sollte beispielsweise der Brent-Kurs steigen. Erst kürzlich erreichte das schwarze Gold ein Vierjahreshoch bei 86,29 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Hinsichtlich dieser dreistelligen Vorhersage äußerte Jeff Currie, der internationale Rohstoffchef bei der US-Investmentbank Goldman Sachs, gegenüber „CNBC“ Skepsis: „Ich sage nicht, dass es nicht passieren kann, aber es würde einen nachhaltigen Ausfall des iranischen Exports erfordern“. Für dieses Szenario müssten die Ölexporte aus dem Iran auf null fallen und es bräuchte eine weitere Störung ähnlich der in Venezuela. Goldman Sachs sehe die langfristigen Ölpreise zwar steigen, die Preislage beim Front-End sei jedoch geschwächt. Diese Situation zeige wohl, „wir haben heute kein Problem, morgen haben wir möglicherweise ein Problem“. Jüngste Daten zeugen davon, dass der Iran in der ersten Woche dieses Monats weniger Öl pro Tag exportiert hat – mit 1,1 Millionen Barrel ist der Ölstaat weit entfernt von den April-Höchstständen, als 2,6 Millionen Barrel pro Tag exportiert wurden. Wie sich die Preise weiterentwickeln werden, sobald die wiederaufgenommenen US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten, lasse sich unmöglich voraussagen, betonte Carrie gegenüber „CNBC“. Denn es ist ungewiss, wie viele Barrel tatsächlich am Markt fehlen werden. „Ich denke, was wir hier sehen, ist eine Diskrepanz zwischen den Finanzströmen und den physischen fundamentalen Bewegungen“, erläutert der Rohstoffchef. Gemeint sei, dass der Markt wohl versuche das Iran-Problem einzupreisen, obwohl es verhältnismäßig unbekannt ist: „Wir wissen nicht, wie groß das Loch ist.“ Während dieser rückläufigen Entwicklung im Iran, nehmen anderenorts die Lagerbestände zu und die Produktion der OPEC-Plus (also der Nicht-Mitglieder und der Mitglieder der internationalen Organisation) stieg „deutlich schneller als von den meisten Analysten erwartet“, so Carrie gegenüber „CNBC“. Die Situation bewertet der Goldman Sachs-Rohstoffexperte kritisch: „Heute haben wir kein Problem. Ich sage nicht, dass wir nicht wissen, ob wir morgen ein Problem haben, aber was der Markt versucht, ist, dieses Problem morgen zu bewerten“. Dabei zeigen sich die aktuellen Entwicklungen noch vor dem Stichtag, an dem die Sanktionen wieder rechtskräftig sind. Vor diesem Hintergrund sollten Marktteilnehmer laut Carrie bis zum 4. November einige Punkte beobachten, um die Auswirkungen auf die Ölpreise abschätzen zu können. Besonders interessant dürfte werden, welche der großen Öl-importierenden Länder eine Aufhebung der Sanktionen durch die USA fordern werden: So deklarierte beispielsweise wohl die indische Regierung kürzlich, einer radikalen Einstellung der iranischen Rohölimporte. wie von der Trump-Regierung verlangte, nicht nachzukommen, berichtet „CNBC“. Stattdessen konnte bislang eine Importsteigerung im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden. Darüber hinaus könnte ein Anstieg der globalen Öllieferungen per Schiff ein wichtiger Hinweis für die weitere Entwicklung sein, erklärte Rohstoffchef Carrie.